Podcast „Kluges aus der Mitte”

Kluges Aus der Mitte

In unserem Podcast „Kluges aus der Mitte“ treffen wir Menschen, mit denen wir über Veränderungsprojekte in Organisationen sprechen. Veränderungsprojekte, die nicht vom Management initiiert, sondern von Mitarbeitern angestoßen sich zu einer Graswurzelinitiative, einer Bewegung aus der Mitte entwickelt haben.

Es geht um Motivation, Ansätze und Erfolge, Unternehmen aus der Mitte zu verändern. Unsere Gesprächspartner sind Menschen, die das Schicksal ihres Unternehmens mitgestalten wollen und wirksam werden. Wir gehen mit der audiografischen Lupe nah heran und analysieren mit unseren Gesprächspartnern die Entwicklungen, insbesondere die Übergänge aus Sicht der Menschen, die schon ein wenig voraus sein, die vielleicht schon sehen können, was kommt und daher Dinge anstoßen, bevor die Organisation es institutionalisierst.

Basis für den Podcast sind die Recherchen zu unserem Buch „Graswurzelinitiativen in Unternehmen„. Im Podcast treffen wir unter anderem die Menschen hinter den Geschichten.

Den Podcast kann man sich direkt bei der jeweiligen Folge im Browser anhören, und auf allen gängigen Plattformen abonnieren:

  1. № 09 Coaching von Frauen für Frauen bei SIEMENS: Es braucht auch eine Bienenkönigin!

    Wir treffen in diesem Gespräch drei Akteure von GROW2GLOW, einer Initiative von Frauen bei der SIEMENS AG, die kostenloses Coaching für ihre Kolleginnen anbieten: Jede Frau bei Siemens kann sich in drei kostenlosen Sessions genau in dem Bereich coachen lassen, der gerade individuell gefordert ist – weltweit und unabhängig von Job, Alter und Position. Nina Eichholz, Gerda-Marie Adenau und Melanie Lirk sprechen mit uns über die Motivation, neben ihrem Job diese Initiative aus der Taufe zu heben, wir erfahren viel über die Entstehungsgeschichte und die Herausforderungen und lernen, wie sich die Initiative schließlich etabliert hat. Die drei Akteure beschreiben den Weg, wie sie die Initiative im Social Intranet bekannt machen, wie sie zunächst nicht einmal den Begriff "Coaching" als Leistungsangebot nennen sollten,  sie dann aber immer mehr Coaches und Coachees zusammenbringen und schließlich auf einem Management Talk die damalige Siemens-Personalvorständin Janina Kugel ansprechen - und tatsächlich nicht nur moralische, sondern auch monetäre Unterstützung bekommen. Sie erzählen von dem Mut, den sie aufbringen mussten, ihr Vorhaben zu beschreiben und beim Vorstand anzubringen, und von dem überwältigenden Gefühl, plötzlich Rückendeckung für ihre Initiative zu bekommen. Und sie berichten, wie sie Schritt für Schritt sichtbarer werden, als sie bei der Bewerbung um den Werner-von-Siemens Award, den Oscar der Siemens Welt, unter die ersten 10 kommen und in der Organisation bekannt werden - und damit klar den Wertbeitrag für Siemens darstellen können.

  2. № 07 Judith Muster: Über Verbürokratisierung und Entbürokratisierung von Organisationen

    Unser heutiger Gesprächspartner dürfte über die Grenzen der organisationsoziologisch forschenden und lehrenden Mitmenschen hinaus bekannt sein: Judith Muster. Zum einen lehrend an der Uni Potsdam tätig, zum anderen beratend als Partner der internationalen Unternehmensberatung Metaplan tätig, spricht sie mit uns über Graswurzelinitiativen, brauchbare Illegalität und die Frage, welche Rolle mitarbeitergetriebene Initiativen, die ohne Auftrag aus der Informalität der Organisation entstehen, wirklich Unternehmen verändern können. Wir sprechen darüber, ob Graswurzelinitiativen vielleicht auch ein Zeichen unserer Zeit sind und verständigen uns, dass sie zumindest heute durch die Form der Kommunikation deutlich legitimiert sind. Wir sprechen offen über diese Bewegungen, und sie werden sichtbarer. Aus systemtheoretischer Sicht kann man zumindest konstatieren: Wir können jetzt darüber verhandeln, früher konnte man es nicht besprechen. Macht das die Sache leichter für die Graswurzel? Judith Muster verneint: Zwar wird ein formaler Ausschluss aus der Organisation im schlimmsten Falle dann auch sichtbar. Wesentlicher ist aber dennoch im Falle der Konkretisierung des Anliegens, dass wenn es nach der hochfliegenden Wertediskussion zur Ableitung konkreter auch schmerzhafter Maßnahmen kommt, die Akteure keinen Schutz durch formale Hierarchie haben. Die Fallhöhe desjenigen, der die Graswurzelinitiative in die Lösungsorientierung führt, sei so relativ hoch. Man muss also genau den Zeitpunkt abpassen, an dem man die Verhandlung mit der Hierarchie, die die Entscheidung ja absichern, aufnimmt. Alles was jenseits der Formalität stattfindet, ist extrem viel risikoreicher für die Akteure.

  3. № 06 Innovation bei Texas Instruments: Über Penicillin, Petrischalen und das Jahr 1928

    Fragt ein Mitarbeiter bei Texas Instruments, wie man es mit dem Thema Innovation hält, so erhält er deutlich zu Antwort: „Innovation is in everything what we do“. Texas Instruments, ein Technologieunternehmen, das vielen von uns schon in der Schule als Hersteller der Taschenrechner für den Mathematik-Unterricht begegnet ist und dessen Prozessoren in all unseren Haushaltsgeräten ihren Dienst tun, schreibt Innovation groß: in Texas, weit weg vom deutschen Standort, in den Kilby-Labs - benannt nach Jack Kilby, dem Erfinder des integrierten Schaltkreises und vermutlich berühmtesten Sohn des Unternehmens – werden die großen Innovationen ausgebrütet. In Deutschland sorgen dann allerdings die Experten für die inkrementellen Verbesserungen.  Von großen Innovationen wird hier wenig spürbar. „Niemand bei uns wusste, was Innovation in seinem konkreten Arbeitskontext wirklich heißt. Also haben wir einfach mal einen Raum gebucht und eine Einladung rausgeschickt", erinnert Leisgang. Leisgang beschließt, das Thema Innovation in Eigenregie in die Hand zu nehmen und das Thema erlebbar zu machen und Kollegen zu begeistern. Er lädt zum ersten „Innovation Day“, erst in kleinem Kreis, dann mit großem Verteiler. Das Format legt er als Open Space an, und setzt das Thema Innovation damit auf die Tagesordnung. „Ich habe mir gedacht: das probiere ich jetzt einfach aus. Das Schlimmste, was passieren kann, ist: ich sitze alleine da und keiner kommt. Dann weiß ich zumindest, dass ich bei der ganzen Geschichte keine Mitstreiter habe", erzählt Leisgang in unserem Buch „Graswurzelinitiativen in Unternehmen“. Es kommt aber anders. Die Innovation Days wachsen und werden fester Bestandteil des Alltags, es entsteht ein Innovation Club als bereichsübergreifende Initiative, und neue Formate wie die Inspirations-Session „Sparks“ liefern Andockmöglichkeiten für neue interessierte Kollegen. Warum Tobias Leisgang das Jahr 1928 wichtig war, was das mit Petrischalen zu tun hat und wie die Innovations- Graswurzel weiter gewachsen ist, das erzählt er in der neuen Folge unseres Podcasts.

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