№ 26 Sonderausgabe #WOL4HR: Communities, Vernetzung und Selbstwirksamkeit im Personalwesen

Wir starten in dieses Jahr mit einer Sonderausgabe unseres Podcasts im Rahmen der #WOL4HR Initiative: Es geht um Vernetzung, um neue Formen der Zusammenarbeit, um die Frage, wie Organisationen Menschen befähigen können, in Zeiten der Transformation für sich und für ihr Unternehmen bestmöglich wirksam zu werden.

Gemeinsam mit dem Bundesverband der Personalmanagerinnen (bpm) ist die Idee gereift, die Methode Working Out Loud für Personaler:innen erfahrbar zu machen. Aus einer Idee ist mittlerweile ein Projekt entstanden, und so starten am 20.1.22 mittlerweile über 200 Personaler zu einer gemeinsamen Lernreise mit dem Titel “WOL4HR“.

Zwei der Impulsgeberinnen auf dieser Reise treffen wir in diesem Podcast. Wir sprechen mit Sirka Laudon und Dr. Katrin Krömer über die neuen Herausforderungen der Arbeitswelt , über neues Lernen, digitale Vernetzung und Zusammenarbeit – und die Rolle von HR.

Sirka Laudon hat Psychologie, Philosophie und BWL studiert, hat verschiedene Rollen u.a. im Personalbereich bei Otto, bei Axel Springer und der Deutschen Bahn verantwortet und ist heute Vorständin People Experience bei AXA.

Dr. Katrin Krömer wechselte nach 10 Jahren Beratungstätigkeit bei McKinsey zunächst zur Bundesagentur für Arbeit, wo sie die Bereiche Finanzen, Personal und Controlling verantwortete. Seit 2015 ist sie in leitenden Funktion bei der Deutschen Bahn AG tätig verantwortet heute für die Personal- und Führungskräfteentwicklung des Konzerns.

Vernetzungskompetenz im komplexen Zeiten

“Unser Motto Starke Schiene funktioniert nur, wenn die Dinge ineinander greifen. Ein Schienensystem kann man nicht im Silo betreiben. Alle Kolleginnen müssen das Zusammenspiel verstehen. Menschen müssen zusammenarbeiten und an dem Zusammenspiel neuer Technologien mitwirken” erklärt Katrin Krämer. Und deshalb ist das Thema “Neue Zusammenarbeit” so zentral für den zukünftigen Erfolg der Deutschen Bahn. Der “Kompass für ein starkes Miteinander“, im Jahr  2019 noch vor der Pandemie eingeführt, ersetzte schnell althergebrachte Verhaltensregeln, überkommene Imperative und Führungsverständnisse. In der Krisensituation ermöglichte es den Mitarbeitenden, das zu tun, was gerade in diesem Moment richtig erschien. Die Prinzipien stellten bereichs- und hierarchieübergreifend einen Handlungsrahmen sicher.

Auch bei der AXA geht es darum, Silos aufbrechen, verschiedenste Disziplinen an einen Tisch bringen, aber auch die emotionale Komponente des Miteinanders zu fördern. Das Ziel: mehr beziehungsorientierter und mit einem Zugehörigkeitsgefühl zum Team zu agieren. Sirka Laudon ist überzeugt, dass dies die Eigenschaften sind, die einen Arbeitgeber, der attraktiv für Talente sein will, auszeichnen sollten. Ist Versicherung unsexy? Nein, sagt Sirka Laudon, denn die Produkte sind digital und das Potential der Digitalisierung ist enorm. Die große Herausforderung ist hier und heute: “Wo ist High Tech wichtig, und wo brauchen wir High Touch?”

Die gemeinsame Herausforderung beider Unternehmen: Menschen miteinander in Verbindung bringen. “Und das ist auch die Rolle des bpm”, ergänzt Katrin Krömer. Es geht darum, den Austausch auch über die Unternehmensgrenzen hinweg mit Leben zu füllen. “Wir schaffen dieMöglichkeit für Mitglieder aus kleinen und mittleren Unternehmen, die sich in Fachgruppen und Regionalgruppen austauschen.” Und, so sind sich beide Gesprächspartner einig, es geht auch um mehr. Die Mitgestaltung gesellschaftlicher Themen ist ebenso Aufgabe, weil Personalthemen diese Ausstrahlung haben – von Tarifen über Arbeitsbedingungen bis hin zu Diversität.

Bei #WOL4HR geht es daher auch darum, abteilungs-, bereichs- und hierarchieübergreifend zusammenzuarbeiten, sich zu unterstützen, sichtbar zu werden. “Personal Branding” hat dabei gerade hierzulande immer noch einen faden Beigeschmack, aber geht es darum zu zeigen, welche Themen man anzubieten hat, wo man unterstützen kann und das Netzwerk stärken kann. “Marken überzeugen nicht durch rationale Vorteile von ihrer Qualität.” sagt Sirka Laudon, die auf LinkedIn sehr authentisch sichtbar wird. “Wenn der Schokoriegel von seinen Zutaten erzählt, wird ihn keiner kaufen.” In Deutschland, so Laudon, wird sehr auf den Austausch rationaler Informationen fokussiert. Es fehlen oft Punkte, von denen wir berührt werden. Alle diese Sachen, die gute Filme erzählen können, blenden wir gerne aus. “Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen gerne zu Arbeit kommen, weil es ein sozialer Ort ist.” Mit der Präsenz und Offenheit von Top Führungskräften entsteht so auch ein neuer Erlaubnisrahmen für die Mitarbeiter:innen.

Wie sehen die beiden Personal-Execuitves die Rolle der HR als Ansprechpartner für Mitarbeiter:innen? Wird es in Zukunft nur noch Bots geben, die Anliegen an die HR beantworten? Nur Menschen haben die Möglichkeit, “moments that matter” zu schaffen. Es ist heute die Aufgabe, eine Employee Experience so zu gestalten, dass ein sinnvoller Mix aus High Tech und High Touch entsteht. Und: es wird Communities und Netzwerke geben, in denen sich informell Ansprechpartner herausbilden. Aufgabe des Unternehmens ist es, die Communities zu fördern. Das Thema Eigenverantwortung wächst, und Netzwerke spielen dabei eine immer größere Rolle. #WOL4HR macht auch dies erfahrbar.

Unseren Podcast gibt es auf allen gängigen Plattformen:

Informationen zu unserem Buch “Graswurzelinitiativen in Unternehmen” gibt es -> hier.

Zitate

“Wenn ein Schokoriegel erzählt, welche Inhaltsstoffe er enthält, dann wird niemand diesen Schokoriegel kaufen. Wir sind menschliche Wesen und werden gerührt und angesprochen dadurch, dass wir in Beziehung zueinander gehen und Beziehungsangebote bekommen. Ich wende mich Menschen zu, die interessant sind, die mich neugierig machen, die eine große Strahlkraft durch ihre Ausstrahlung haben. DAS interessiert andere Menschen”

“Deshalb finde ich auch solche Working Out Loud Initiativen super, weil es darum geht, über die Community sich einen Erlaubnisrahmen zu geben und zu sagen: Lass uns das gemeinsam machen. Laß uns auch diese Identität gemeinsam nach draussen leben. Wir sind HRler, wir sind Personaler, die einfach einen wichtigen Stellenwert in den Unternehmen haben, in Zukunft noch viel mehr. Lass uns gemeinsam schauen, wie wir unseren Einflussrahmen vergrößern können”

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