In eigener Sache: Digitaler Beirat as a Service

Wenn heute Unternehmen straucheln, dann haben sie mit Sicherheit die Digitale Transformation verschlafen.

So zumindest unisono die Beraterriege in den Medien. Ich schließe mich da nicht aus.

Niemand bezweifelt ernsthaft, dass fast jedes Geschäftsmodell von der Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft verändert wird. Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden.

Dabei ist der Begriff „Digitalisierung“ selbst irreführend und wird von jedem so verwendet, wie es in seinem Kontext gerade passend erscheint. Die digitale Herausforderungen sind natürlich nicht wirklich nur „digital“. Gerade im Mittelstand wird Digitalisierung allzu oft mit Technisierung verwechselt und simpel mit der Investition in Technologie beantwortet. Aber das, was mit Digitalisierung im umfassenden Sinne gemeint ist, ist die Neusortierung des Unternehmens, das Überdenken der zentralen Geschäftsprozesse, die neue Rolle von HR, der Abschied von der Command&Controll Hierarchie, die Flexibilisierung der Struktur, Bildung von internen und externen Netzwerken, der Aufbau von Plattformen etc.

Digitale Hilfsmittel, also IT Lösungen als solche, wirken als Katalysator und Schmiermittel. Die Hauptarbeit liegt aber im Change Management. Das bedeutet vor allem viel viel Kommunikation in alle Richtungen. Zuallererst nach Innen, aber natürlich auch nach draussen, zu Kunden, Partnern, Lieferanten, Interessengruppen.

Die zentrale Rolle des CEO wird dabei zu recht betont. Dort, wo der digitale Geist nicht auf der Führungsebene verankert ist, werden dann gerne mal Stäbe und Arbeitsgruppen gebildet – meist erfolglos im Angesicht der Kraft, die so ein Umbau erfordern würde.

Ziemlich konsequent kam so der Ruf nach einer im Vorstand verankerten digitalen Führungsperson, wenn diese Rolle der CEO selbst nicht einnehmen kann. Die Forderung nach einer Verankerung eines neuen herausfordernden Themas im Führungskreis ist dabei nicht neu. Es ist der übliche Reflex. Ich habe das im Rückblick bei der Diskussion um die Verankerung des Marketing erlebt (Wir brauchen einen CMO!), bei der Verankerung des Einkaufs als zentrale Drückerkontrolle (Lopez!), bei der Bewältigung der ersten großen Technisierung durch die IT (Wir brauchen einen CIO!) und jetzt bei der sogenannten Digitalisierung. Wir brauchen also einen CDO. Er wird die Brücke zwischen digitaler und virtueller Welt bauen.

Diese Botschaft ist anscheinend angekommen. Vorstände haben reihenweise die Lektion gelernt, dass das Unternehmen sich schleunigst digitalisieren muss. Von Headhuntern und Personalberatern hört man derzeit, dass es überhaupt keine Kandidaten mehr gibt für die vielen offenen CDO Positionen.

Was also, wenn man die ganze Führungsriege eben nicht mit Digitalisierern besetzen kann? Ist es nicht sinnvoller, sich begrenzt für eine Zeit Hilfe zu holen? Digitalen Input von außen, der denjenigen, die schließlich das bestehende Kerngeschäft beherrschen, helfen, Dinge neu zu denken vor dem Hintergrund der technologischen, demographischen, wertegewandelten Realität?

Gemeinsam mit meinem Kollegen Folker Scholz starten wir deshalb ein Projekt: Den „Digitalen Beirat as a Service“. Wir beschäftigen uns mit den Auswirkungen von Cloud, Social, Mobile und Analytics seit vielen Jahren. In vielen Unternehmen sind wir der Sparrings-Partner in digitalen Fragen. Die Rolle des Digitalen Beirats soll sich aber deutlich von der des externen Beraters unterscheiden, der schnell das Lied von UBER, AirBnB, Plattformen und Apple, Google & Co singt und dann wieder verschwindet.

Dwight Cribb beschreibt die Reaktion der Unternehmen auf die neuen Herausforderungen treffend in seinem Artikel „Erfolgskritische Komponente in der digitalen Transformation„:

Manche entscheiden sich dafür, das Thema weiter zu ignorieren und ein paar Pflaster in Form von Leuchtturmprojekten darüber zu kleben. Andere holen sich Berater ins Haus, die ihnen die richtige Strategie zurechtlegen sollen. Ersteres führt in den Weltbild- /Schlecker-Himmel, letzteres dazu, dass alle Unternehmen mit sehr ähnlichen Strategien gegeneinander antreten.

Viele US-amerikanische Unternehmen haben mittlerweile Digital Advisory Boards installiert. Digitale Beiräte, die den Vorstand in Zeiten des Wandels stärken, beraten und unterstützen und somit maßgeblichen Anteil an der Innovationsfähigkeit der Unternehmen haben. Das Digital Advisory Board ist ein externes Beratungsgremium, das gestandene Führungskräfte mit dem Fokus auf Digital vereint.

Wir wollen diese Strategie auch im deutschen Sprachraum anbieten. Wir entwickeln digitale Strategien. Und wir ziehen uns nicht zurück, wenn es heißt, diese neuen Strategien zu implementieren.